Von Jochen Gabrisch am 13.08.2018

Besser reden, besser ankommen: Wie KI Führungskräfte stärken kann

Kategorie:
Management von Mitarbeitern

Dass uns eines Tages ein Computer sagt, wie unsere Sprache auf andere wirkt, hätten wir uns vor einigen Jahren noch nicht träumen lassen. Fakt aber ist: Künstliche Intelligenz (KI) gehört in einigen Unternehmen in der Personal- und Führungskräfteentwicklung schon zum Grundrepertoire, beispielsweise die digitale Sprachanalyse. Diese hat vor allem einen Vorteil: Sie analysiert blitzschnell und genauer, als der Mensch dies vermag, wie wir im Gespräch wirken und im wahrsten Sinne des Wortes, wie wir ankommen. Läuft die Zeit der Personalentwickler und Coaches also ab? Mitnichten. Schließlich kann KI die individuelle Analyse, den kritischen Austausch und schließlich die Handlungsempfehlungen des Coaches nicht ersetzen. Sehen wir uns das einmal genauer an. 

Für Mathias Janson (Name geändert) war es ein Aha-Erlebnis. Nur zwanzig Minuten hatte er auf Fragen des Computers geantwortet und als wir uns seinen Ergebnisbericht zusammen anschauten, war für ihn klar: Ich muss anders kommunizieren, wenn ich bei meinen Vorgesetzten mehr erreichen will. Was war geschehen? Mathias Janson ist Führungskraft in einem internationalen Unternehmen, geschätzt für seine Expertise, anerkannt im Team. Sein Anliegen: erfolgreicher mit den Mitgliedern des Senior Managements sprechen. Mithilfe des Sprachanalyse-Tools CommPass von PRECIRE® haben wir den Kern des kommunikativen Problems entschlüsselt. Hierfür war KI als Teil eines ganzheitlichen Coachings eine hilfreiche Ergänzung. Die Sprachprobe ergab: Mathias Jansons Sprache ist geprägt von vielen komplexen und zahlenlastigen Sätzen. Darüber hinaus fasst er Themen kaum zusammen, verwendet wenige aktivierende Verben und spricht in einer vergleichsweise hohen Stimmlage: Allesamt sprachliche Eigenarten, die im Senior Management wenig Interesse wecken.

 Quelle: PRECIRE Technologies, Aachen

 

Computer entlarvt Sprachmuster

Was nun? Auf Basis der digitalen Analyse haben wir im Coaching das Sprachrepertoire von Mathias Janson überdacht sowie persönliche Muster und Überzeugungen identifiziert und bearbeitet, die zu diesem Sprachgebrauch führten. Die Kombination aus der Arbeit an detailliert analysierten Sprachmustern mithilfe von KI und den dahinter liegenden Gedankenmustern brachte ihm einen raschen und nachhaltigen Erfolg. Auch an einer tieferen Stimmlage haben wir im Coaching gearbeitet. Im Ergebnis hat Mathias Janson seine Sprache in Terminen mit dem Senior Management verändert – hin zu einer verdichteten, meinungsstärkeren und aktivierenden Kommunikation. Der wesentliche Unterschied heute ist: Mathias Janson überzeugt in hohem Maße durch seine Persönlichkeit und Sprache. Und weil man ihm nun gern zuhört und auch schneller versteht, was er sagt, kommt er mit seiner Expertise besser an. 

Quelle: PRECIRE Technologies, Aachen

 

Analog + digital = Wertschöpfung

Ich habe die digitale Sprachanalyse bereits an verschiedenen Stellen eingesetzt. Sie kann den Coachingprozess wesentlich unterstützen, da die hohe Granularität der Ergebnisse Coachee und Coach Erkenntnisse liefert, die in dieser Detailschärfe bisher nicht verfügbar waren. Die Ergebnisse tragen dazu bei, ein diffuses Gefühl von „ich könnte wirkungsvoller kommunizieren“ in konkrete, individuell zugeschnittene Handlungsoptionen zu überführen. Die Entwicklungsimpulse auf Satz-, Wort- und Stimmebene machen es dem Coachee leicht, gezielt an einzelnen Sprachbausteinen zu arbeiten und so seine/ihre kommunikative Wirkung im Alltag situativ zu optimieren. 

Coaching wie wir es heute kennen, wird sich durch digitale Angebote verändern. KI-Lösungen werden in drei bis fünf Jahren zum Standard in der Personal- und Führungskräfteentwicklung zählen und zur Wertschöpfung beitragen. Kann die Digitalisierung ein persönliches Coaching ersetzen? Ich denke nicht, denn das individuelle und vertrauliche Vier-Augen-Gespräch ist ein Wert an sich, den auch ein smartes Tool mittelfristig nicht ersetzen kann. Vielmehr braucht es das persönliche Gespräch, um die Ergebnisse zu validieren, einzuordnen und die passenden Schlussfolgerungen daraus zu ziehen und in den Alltag zu überführen. 

Welche Erfahrungen haben Sie mit KI in der Personalentwicklung Ihres Unternehmens gemacht? Wie kann die Verzahnung von analogem und digitalem Lernen aus Ihrer Sicht gelingen? Ich freue mich auf den Austausch mit Ihnen!

JOCHEN GABRISCH

Berater und Coach
Kooperationspartner bei Raum Für Führung GmbH