Von Michael Riermeier am 11.03.2020

Führung in diesen Zeiten – 5 Impulse eines Führenden

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In eigener Sache

Seit Jahren sprechen wir von VUKA, „neue“ Unübersichtlichkeit, fehlender Planbarkeit und Agilität – und dann kommt Corona: ein Wort, schicksalsgetränkt und in aller Munde. Hamsterkäufe und Börsen-Crash. Haben wir in den letzten Jahren wirklich was gelernt oder nur so getan, als ob? Auf was Führungskräfte jetzt achten sollten.

1. Haltung und Orientierung – aber kein (blinder) Aktionismus

Als Führungskräfte haben wir für unsere Mitarbeiter eine Fürsorgepflicht. Wir sind daher gefragt, Risiken einzuschätzen und diese entsprechend zu bewerten und danach zu handeln. Corona ist eines dieser Risiken. 

Auch wir haben unsere Mitarbeiter informiert und sensibilisiert, haben Hygienemaßnahmen in Erinnerung gerufen. Vorweg gestellt haben wir aber unsere Haltung als Geschäftsführer: Gesundheit vor Umsatz. Warum? Wir wollen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mitdenken, entscheiden und aus unserem Zusammenhang heraus denken.

Es braucht also Grundprinzipien und Orientierung für eigenverantwortliche Mitarbeiter in dieser Phase, aber bitte keine ellenlangen Handlungsleitfäden oder pauschale Verbote („keine Dienstreisen“). Oder trauen wir agilen Teams dann doch nicht über den Weg?

2. Das Aktuelle sehen – aber die Perspektive nicht vergessen

Die medizinische Forschung versteht nahezu täglich das Virus besser und die Entwicklung von Corona ist dynamisch, ebenso wie die Reaktionen und Folgenwirkungen. Wir sind also aufgefordert, uns jeden Tag aufs Neue eine Übersicht zu verschaffen und zu bewerten. Dabei betrachten wir aktuell gefühlt ausschließlich das Hier und Jetzt, den März 2020.

Darüber sollten wir aber nicht die Perspektive vergessen. Und zwar in den Facetten „Zeit“. Was ist ab April? Wie wird der Sommer und der Herbst 2020? Und in der Facette „jenseits von Corona“: Was bewegt meine Kunden und meine Umwelt sonst noch?

Es rücken aktuell viele große Themen in den Hintergrund. Angefangen von der Frage der strategischen Ausrichtung von Unternehmen/Digitalisierung etc. bis hin zu den gesellschaftlichen Themen wie Klimawandel, Rechtsterrorismus oder globale Fluchtbewegungen. Auch und gerade hier ist Führung gefragt, Haltung und Orientierung zu geben und diese jenseits des Alltags weiterzubewegen. 

3. Führung darf zweifeln – keine (neue) Zeit für Helden

Bei der modernen Führungskraft wird häufig auf den „Servant Leader“, also die dienende Führungskraft, verwiesen. Das funktioniert so lange gut, wie hinreichend klare Rahmenbedingungen vorherrschen. Nun ist aber eine neue Qualität von Unsicherheit entstanden und damit das Risiko, in alte Verhaltensmuster zurückzufallen. Mitarbeiter rufen nach Entscheidungen („Was soll ich jetzt tun?“) oder Führungskräfte, die (endlich wieder) ihre starke Führung unter Beweis stellen können („Hier geht’s lang!“).

Es mag kurzzeitig verführerisch sein, diesen Impulsen nachzugeben, aber langfristig wirkt es schädlich. Und es ist okay, nicht immer alle Lösungen und Entscheidungen im Gepäck zu haben.

Selbst wir sind nicht frei davon. Gerade aktuell geht es bei uns und Raum Für Führung in Frankfurt um die Frage: Teammeeting in Präsenz oder digital. Erster Impuls war: Wir als Geschäftsführer entscheiden, dass das Meeting virtuell stattfindet. Was wir dann gemacht haben: die Mitarbeiter entscheiden lassen. 

4. Corona und darüber hinaus – Mut in bewegten Zeiten

Neulich fiel mir ein Schild bei einem Kunden ins Auge. Gut sichtbar für jeden. Darauf stand: „Offen für Toleranz. Geschlossen für Ausgrenzung.“ Eine Haltung, die ich wertschätze und bei der die Grenzen zwischen dem, was mich als Privatperson und in meiner Rolle als Führungskraft umtreibt, fließend sind. Wann ist es als Unternehmer wichtig, mit Haltung und Klarheit sichtbar zu werden? Wann ist es okay, auch die Themen anzusprechen, die nicht auf der Hand liegen, mich aber dennoch beschäftigen? Die eigene, innere Widersprüchlichkeit nach außen zu tragen und den öffentlichen Diskurs zu suchen – mutig, selbstbewusst, aber auch selbstkritisch. Keine Frage: Dem Corona-Sog zu verfallen, ist deutlich leichter! 

Ich habe mich trotzdem dazu entschlossen, selbstkritische Frage offen auszusprechen – erst im Privaten, dann im Beruflichen: „Reden wir über die richtigen Dinge?“ Und ich habe festgestellt: Andere treiben ähnliche Gedanken um. Dabei geht es nicht um Schwarz-Weiß-Logik, sondern um die offene, ehrliche Auseinandersetzung mit Themen, die uns beschäftigen. Und dazu gehört zeitgleich auch auszuhalten, dass Meinungen anders sind und es nicht immer sofort eine Lösung gibt. Übrigens eine wichtige Erkenntnis, die uns privat wie beruflich und auch als Führungskraft vor blindem Aktionismus schützt. 

5. Haltung zeigen – für das, was uns wichtig ist

Die Auseinandersetzung mit sich und der Welt lohnt sich immer. Zuhören, statt zustöpseln. Agieren, statt reagieren. Den Mut haben, Inneres nach außen zu tragen, Haltung zu zeigen für das, was uns wichtig ist. Sagen, wie es ist, auch wenn es unbequem ist. Das zeichnet uns als Menschen und als Führungskraft aus. Ein hehres Ziel.

"Und wann haben Sie das letzte Mal innegehalten und ehrlich darüber nachgedacht, ob Sie die gerade die richtigen Dinge tun?",

fragt Sie Ihr

MICHAEL RIERMEIER

Geschäftsführer und Berater

9 Tage nach der Veröffentlichung des Beitrags: 

Wir haben Gespräche geführt, Ihnen zugehört und daraus digitale Formate entwickelt, die Sie handlungs- und entscheidungsfähig bleiben und werden lässt.

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