Von Corinna Günther von blink.it am 25.06.2018

Gastartikel blink.it: Blended Learning und das Netzwerktreffen

Kategorie:
Management von Organisationen

So funktioniert Blended Learning in der Praxis: Ein Werkstattbericht vom Netzwerktreffen 2018 

Die Digitalisierung verändert auch das berufliche Lernen. Mit der Lernform Blended Learning werden Trainings und Schulungen langfristig wirksamer – bei gleichbleibenden Kosten. Wie das in der Praxis an Unternehmen gelingen kann, das war Thema beim Netzwerktreffen der Deutschen Gesellschaft für Personalführung e.V. (DGFP) und Raum Für Führung am 13. Juni 2018. Einen Einblick in erfolgreiche Blended-Learning-Modelle gab Michael Witzke vom Technologiepartner blink.it.

Die Herausforderung: Eine Veränderung kultureller Werte

„Nur wer Wandel als Chance begreift, hat das Potenzial, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln“, sagt Michael Riermeier, Geschäftsführer von Raum Für Führung. “Dafür sind Anpassungen interner Strukturen notwendig”,  sagt Geschäftsführer Michael Riermeier. Neue Kompetenzen der Mitarbeiter und Führungskräfte sind gefragt und neue Lernmethoden bei Weiterbildungen treiben den Fortschritt voran.  

Die Methode Blended Learning wird für viele Unternehmen daher immer attraktiver: Schluss mit “Bulimielernen”! Stattdessen werden analoge Lernformen wie klassische Seminare und Workshops sinnvoll kombiniert mit digitalen Selbstlernphasen. Digital und analog im Mix: das Lernen der Zukunft findet sozusagen digilog statt. 

Mit Blended Learning gelingt der Transfer in die Praxis wesentlich besser als bei reinem (analogen) Präsenzlernen. Gleichzeitig bleiben die Kosten unverändert. Wo ist der Haken, fragen Sie sich jetzt zu Recht. Der Haken liegt darin, dass Veränderung grundsätzlich nie konfliktfrei ist. Kulturelle Werte müssen oft überdacht oder sogar neu definiert werden. Das erfordert ein hohes Maß an Bereitschaft, die innere Haltung zu ändern: Verabschieden Sie sich vom Lernen als Konsum!

Verantwortung, Konsequenz, Geduld – Das sind die Werte der Zukunft:

  1. Verantwortung: Die Selbstlernphase ist ein elementarer Bestandteil für die Teilnahme an der Weiterbildung – kein „Extra“ zum eigentlichen Training. Vor allem für Teilnehmer bedeutet das ein Umdenken.
  2. Konsequenz: Innerhalb der Präsenzphase sind keine Extras für einzelne schlecht vorbereitete Teilnehmer mehr erlaubt – auch auf die Gefahr hin, dass gegebenenfalls zu Beginn Abschluss-Bewertungen teilweise negativ ausfallen könnten. Von Trainern erfordert dies ein hohes Maß an Bestimmtheit.
  3. Geduld: Konflikte sind normal und können langfristig überwunden werden, denn Blended Learning ist für alle Beteiligten anfangs neu und braucht Zeit zur Eingewöhnung. Personalentwickler sollten sich darüber bewusst sein und allen Beteiligten Zeit zur Umgewöhnung geben.

Das Netzwerktreffen für Personalentwickler und Trainer

Das Thema Blended Learning und die damit verbundenen Herausforderungen waren Anlass für das Netzwerktreffen am 13. Juni 2018 in Frankfurt. Unter den 20 Teilnehmern waren Personalentwickler mittelständischer und großer Unternehmen sowie Trainer. Die Veranstalter waren Raum Für Führung gemeinsam mit der DGFP. Das Konzept der Veranstaltung war bereits erprobt: Bereits im Herbst 2017 fand ein Netzwerktreffen in ähnlichem Rahmen statt. Dieses Jahr stand als technischer Experte Michael Witzke von der Blended-Learning-Software blink.it den Teilnehmern beratend zur Seite.

 Das Programm des vergangenen Netzwerktreffens:

  1. Zwei Werkstattberichte von Raum Für Führung (Michael Riermeier und Klaus Leeder) sowie blink.it (Michael Witzke).
  2. Zwei Workshops zur Konzeption und zur Umsetzung “digiloger” Lernketten.

Durch die Verbindung von  didaktischen und praktischen Tipps verließen die Teilnehmer die Veranstaltung mit konkreten Ideen zur eigenen Anwendung von Blended Learning.

Die Didaktik: So funktioniert Blended Learning

Blended Learning ist die Verschmelzung von E-Learning-Einheiten und klassischen Präsenztrainings. Dadurch bleibt die persönliche Bindung von Live-Seminaren erhalten. Gleichzeitig profitieren alle Beteiligten von den Vorteilen der digitalen Begleitung: höherer Lerntransfer, bessere Messbarkeit der Ergebnisse und vieles mehr. 

Beim Netzwerktreffen waren alle Beteiligte vom Konzept Blended Learning überzeugt, nicht zuletzt durch die Erklärung von Michael Riermeier im Vortrag: Bei digilogen Lernketten reihen sich unterschiedliche “Lernabschnitte” aneinander. 

So beginnt ein Training beispielsweise mit einem virtuellen Start, bei dem Teilnehmer auf das Thema eingestimmt werden und eigenständig Basiswissen erarbeiten. Ist das nächste Kettenglied eine Präsenzveranstaltung, so sind durch die Selbstlernphase alle Teilnehmer auf dem gleichen Stand. So werden im Blended Learning nach und nach unterschiedliche Einheiten aneinander gereiht, während der Teilnehmer meist über einen längeren Zeitraum hinweg durchgängig fachlich betreut wird.

Prototyp digitale Lernkette

 

Prototyp einer digilogen Lernkette (Folie von Michael Riermeier beim Netzwerktreffen)

Ein Leitspruch bei Blended Learning lautet: 80% des Ergebnisses mit nur 20% Einsatz erreichen. Der Start mit digilogen Lernketten bringt technische und kulturelle Herausforderungen mit sich, die Trainer und Unternehmen aber mit Unterstützung gut überwinden können.  

Eine wichtige Entlastung ist bei diesem Schritt eine Software, die

  • einfach anzuwenden ist
  • und praxisnah funktioniert.

Raum Für Führung setzt hier auf die Web-App von blink.it. Zur Theorie über Blended Learning gibt es im Blog von blink.it einige anschauliche Artikel, teilweise auch mit konkreten Praxisbeispielen. Drei explizite Beispiele aus der Praxis hat blink.it-Geschäftsführer Michael Witzke beim Netzwerktreffen angeführt. Diese können sich Blended-Learning-Interessierte, die nicht beim Treffen dabei sein konnten, im nächsten Abschnitt ansehen.

Die Praxis: So setzen Unternehmen Blended Learning um

Als Geschäftsführer einer Blended-Learning-Software hat Michael Witzke schon einige Jahre Erfahrung mit der Umsetzung von Blended Learning in der Praxis. Hier sind drei typische, aber sehr unterschiedliche Beispiele, wie das Konzept E-Learning + Präsenz seiner Erfahrung nach funktionieren kann:  

  1. Modell Nachhaltigkeit: Das Training startet mit einer intensiven Präsenzveranstaltung, in der sich alle kennenlernen und der Grundstein gesetzt wird. Anschließend werden die Teilnehmer gut vorbereitet in die Selbstlernphase entlassen, in der sie eigenständig online das Gelernte üben und reflektieren.
  2. Modell Potenz-Analyse: Hier beginnen die Teilnehmer mit einem Persönlichkeitstest zum Soft-Skill-Thema, beispielsweise dem Thema Motivation. Anschließend erfolgt ein typisches Blended Learning mit einem Mix aus analogen und digitalen Einheiten, bei dem die Teilnehmer durch den anfänglichen Test aufbauend arbeiten können.
  3. Modell Großveranstaltung: Bei größeren Veranstaltungen mit einigen hundert Teilnehmern liegt die Herausforderung in der Heterogenität. Durch eine mehrwöchige Onlinephase können Teilnehmer hier aufs Thema eingestimmt werden. Am Tag der Veranstaltung sind alle dann auf dem selben Level und noch dazu besonders motiviert durch die lange Vorbereitung.

Alle drei Beispiele sind Erfolgsmodelle von Blended Learning. Sie sind aber nur ein Ausschnitt der Möglichkeiten und geben einen Eindruck davon, wie digiloge Lernketten in der Praxis aussehen können.

Extra-Tipp zur Umsetzung: So funktionieren Videos

Durch den engen Kundenkontakt weiß Michael Witzke von blink.it, woran Trainer in der Umsetzung am meisten zu knabbern haben: Das Thema Video. Auch wenn kurze Videos sicherlich nur ein Teil von Blended Learning sind, so suchen Trainer hier besonders nach Hilfestellungen. Das hat zwei Gründe:

  1. Der Anspruch an die Qualität von selbstgedrehten Videos ist bei vielen Trainern enorm hoch: “Ich blamiere mich doch nur.”
  2. Die technische Durchführung des Videodrehs ist anspruchsvoller als beim Format Text: “Ich bin Trainer, kein Videojournalist.”

Viele Trainer, die inzwischen schon länger mit Kurzvideos in ihrem Blended Learning arbeiten, berichten: Der Anfang ist eine Herausforderung – aber vor allem Kopfsache! Wie beim Thema Wandel und kulturelle Veränderung im Blended Learning ist der Videodreh vor allem eine Sache der eigenen Haltung. Verabschieden Sie sich von 100% perfekten Videos – die wirken sowieso nicht authentisch.

Tipps von Michael Witzke: Der Video-Inhalt ist dann (ausreichend!) gut, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:

  • leicht verdaulich dargestellt
  • inhaltlich fokussiert
  • klare Call-to-Action (Handlungsaufforderung)

 

Michael Witzke von blink.it zeigt, wie sich jeder ganz einfach mit dem Smartphone selbst filmen kann. 


Was die Technik angeht – hier reicht das eigene Smartphone! Die Qualität ist bei einigermaßen modernen Geräten ausreichend und die Umsetzung gelingt mit ein paar Tipps auch ohne Weiterbildung zum Video-Journalisten.

Wir sehen:  die Umsetzung von Blended Learning ist vor allem Kopfsache. Wenn Trainer, Teilnehmer und Personalentwickler an einem Strang ziehen und der Veränderung von Lernformen Raum geben, steht nachhaltig erfolgreicher Weiterbildung nichts mehr im Wege.

Sie möchten mehr zur Konzeption und Umsetzung von digilogen Lernketten erfahren? Oder Sie haben eigene Erfahrungen gesammelt, die Sie uns mitteilen möchten? Wir freuen uns auf Ihre Fragen und Kommentare.

MICHAEL RIERMEIER, Raum Für Führung

kontakt@rf-f.com

und

MICHAEL Witzke, blink.it

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