Von Michael Riermeier und Klaus Leeder am 11.05.2020

Hoch den Kopf! Wie wir jetzt die Mitarbeiter und die Zukunft mehr in den Blick nehmen

Kategorie:
Management von Organisationen

Shutdown, Kurzarbeit, Kontaktsperre: Das alles zerrt an den Nerven – bei uns ebenso wie bei Ihnen und Ihren Mitarbeitern. Doch bei allem Stress, bei allem finanziellen Druck und bei aller Zukunftsangst, gibt es eine zentrale Frage, die wir und jede andere Führungskraft spätestens jetzt stellen sollte: Wie begegnen wir einander, wenn die Krise vorbei ist? Drei Empfehlungen, wie ein gutes Miteinander zwischen Führung und Team auch nach dem Corona-Drama Bestand hat. 

1. Sagen, wie es ist – auch wenn’s schwerfällt

Machen wir uns nichts vor: Für viele Unternehmen geht es dieser Tage ums Überleben. Das wissen nicht nur Chefs, sondern auch deren Mitarbeiter. Die Unzufriedenheit ist auf beiden Seiten groß und dennoch gehen die Interessen mitunter weit auseinander. Zwischen der Notwendigkeit, einen Arbeitsplatz oder die ganze Firma zu retten, klafft eine Lücke, die nicht nur mit bestem Willen überbrückt werden kann. Schließlich geht es um Geld und um Aufträge. Beides liegt jetzt oft nicht einmal in der Hand des Unternehmers oder der Führungskraft. Gastronomen, Hoteliers, Kosmetikerinnen: Sie alle würden liebend gerne Umsatz generieren und dürfen oder durften es doch nicht. Wenngleich Mitarbeiter das Problem kennen: In der Not ist sich bekanntlich jeder selbst der nächste. Und wo Angst und Sorge aufkeimen, sind Unverständnis und Misstrauen nicht weit.

So paradox es klingt, aber in Zeiten der Kontaktsperre ist auf Führungsebene kaum etwas so relevant für ein gutes Miteinander, wie in Kontakt zu bleiben. Sich zeigen, wenn auch nur virtuell. Einander zuhören, Verständnis haben, Perspektiven eröffnen. Und vielleicht das Wichtigste: Mitarbeitern erklären, warum die Dinge sind wie sie sind. Dies ist oft schmerzhaft. Für beide Seiten. Etwa dann, wenn in Kurzarbeit ein Mitarbeiter mehr gebraucht wird als ein anderer. Die Bundesregierung kategorisiert in systemrelevant oder nicht. Dies müssen Unternehmer in Not auch tun. Unweigerlich belastet das die Beziehung. Doch wer sich auch nach der Krise in die Augen sehen können möchte, sollte jetzt damit anfangen, Verständnis zu säen, statt Missachtung zu ernten. Durch Erklären, Zuhören und Empathie. 

2. Klare Grenzen ziehen, wo Freiheit Alltag war

Die Arbeitswelt steht kopf. Wo Attribute wie selbständig und vertrauensvoll eben noch Kennzeichen für eine moderne Führungskultur waren, kehren wir zurück zu alten Ufern – und können es selbst kaum fassen. Statt Vertrauensarbeitszeit gilt zum Beispiel für Mitarbeiter in Kurzarbeit Stundenzettel-Pflicht. Statt der selbständigen Priorisierung von Aufgaben, gibt die Führungskraft nun vor, was wann zu tun ist. Nicht, weil sie es möchte, sondern weil sie es muss. Als Notwendigkeit, um die zur Verfügung stehende Zeit der Mitarbeiter bestmöglich mit Inhalten aus Sicht des Unternehmens zu füllen. Qualität und Quantität werden neu definiert und werfen Fragen auf: Wie viel kann und darf ich meinem Mitarbeiter in dieser Zeit zumuten? Was kann ich qualitativ erwarten? Welchen Qualitätsanspruch stellt der Mitarbeiter selbst an seine Arbeit und wann gefährdet der eigene Anspruch auf Perfektion das Projektziel?

Verlässliche Steuerung und Transparenz sind in diesen Zeiten für Führungskräfte unverzichtbar. Dies erfordert, Grenzen zu definieren, deren Einhaltung zu kontrollieren und in Kauf zu nehmen, dass Dinge und Themen außerhalb der Grenzen unerreichbar sind. Zumindest vorübergehend. So seltsam es auch klingen mag: Das alte Rollenmuster „Ich sag dir, was du tust“ gibt Mitarbeitern Sicherheit in unsicheren Zeiten. Ein Umstand, der nicht nur Unternehmen in Kurzarbeit das Überleben erleichtert, sondern der auch zu einem besseren Miteinander beitragen kann. 

3. Gemeinsam lernen und anwenden

Das hohe Lied der Präsenz ist in vielen Unternehmen verstummt. Abrupt und schmerzhaft für viele. Stattdessen zählen Führen aus der Ferne, virtuelle Meetings und e-Learning plötzlich zum Alltag. Zwangsweise. Lernen ist eines der zentralen Themen dieser Tage – und wir lernen rasend schnell. Die Situation annehmen, analysieren, neue Wege gehen und umsetzen. Themen und Gewohnheiten von der analogen in die digitale, virtuelle Welt übertragen. Was vielfach lästig war, wird zur Gelegenheit. Plötzlich erscheint „digital“ gar nicht mehr so schlimm. Gar nicht mehr so herausfordernd. Gar nicht mehr so weit weg. Not macht eben erfinderisch, mutig und setzt Kräfte frei.

Ergreifen Sie also diese Chance! Bündeln Sie Ideen und vertrauen Sie auf die Kreativität, Innovationskraft und Motivation Ihrer Mitarbeiter – für neue Dienstleistungen, neue Produkte, neue Märkte. Geben Sie ihnen eine Perspektive, für die es sich lohnt, durchzuhalten und zu kämpfen. Und kämpfen Sie mit ihnen Seite an Seite. Lernen Sie gemeinsam und setzen Sie um. Für ein gutes Miteinander, ein starkes Team und die Chance, das Unternehmen gemeinsam in die Zukunft zu führen.

Gewiss, die Frage am Ende des Tages wird sein, ob das Unternehmen überlebt. Aber sie wird auch lauten: Sind die Mitarbeiter dann bereit zu verzeihen. Zu verzeihen, dass sie auf einen Kostenfaktor reduziert wurden. Zu verzeihen, dass einige im Gegensatz zu anderen keinen Beitrag zum Überleben leisten konnten oder durften. Wer am Ende gemeinsam stolz auf das Erreichte sein möchte, sollte als Führungskraft jetzt Zeit investieren. Es geht um Erklären, Zuhören, Lernen und um gute Beziehungen – im Grunde also um das wertvollste Kapital für jedes erfolgreiche Unternehmen. Mit und ohne Krise.

Und was tun Sie dafür, um in gutem Kontakt mit Ihren Mitarbeitern zu bleiben? Wir freuen uns auf den Austausch!

MICHAEL RIERMEIER

Geschäftsführer und Berater

und

KLAUS LEEDER

Geschäftsführer und Berater

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Bild von Alfred Derks auf pixabay.