Von Julia Düttmann am 24.06.2019

Konzentration, bitte! – Mehr erreichen mit Deep Work

Kategorie:
Selbst-Management

Multitasking, Erreichbarkeit 24/7 und Schnelligkeit gelten landläufig als Garanten für den Erfolg. Dabei belegen zahlreiche Studien das Gegenteil: Nur wer es schafft, sich zu fokussieren und sich Ruhephasen gönnt, kann sein volles Potenzial ausschöpfen. Der Weg zum Erfolg gelingt allerdings einfacher, als Sie vielleicht denken. Zeit für Fokus. Zeit für Konzentration. Zeit für Deep Work.

15 lautet die magische Zahl, die jeden von uns aufhorchen lassen sollte: Um genau so viele Punkte sinkt beispielsweise der IQ durchschnittlich bei all jenen, die kontinuierlich E-Mails überprüfen und beantworten. Dies ergab eine Untersuchung der University of London zur Leistungsfähigkeit bei Multitasking. Was wenig klingen mag, ist für die Produktivität jedoch erheblich. So entscheiden etwa diese 15 Punkte auf der IQ-Skala darüber, ob jemand begabt oder hochbegabt ist. Das Paradoxe ist: In einer Welt, die sich rasant verändert und anspruchsvoller wird, ist Konzentration immens wichtig, um sich Herausforderungen im privaten wie beruflichen Alltag zu stellen. Zeitgleich ist Ablenkung in diesen disruptiven Zeiten allgegenwärtig.

Genau genommen werden wir im Arbeitsalltag durchschnittlich alle drei Minuten unterbrochen. Nicht nur durch andere. Auch wir selbst sorgen ständig für Unterbrechung, indem wir uns von äußeren Begebenheiten ablenken lassen: E-Mails, Gespräche, Geräusche, Gedanken, SMS… Dabei belegen zahlreiche Untersuchungen, dass Menschen, die bei ihrer Arbeit gestört werden, nicht nur doppelt so lange benötigen, um ihre Aufgabe fertigzustellen, sondern auch doppelt so viele Fehler dabei machen.

Ohne Aufmerksamkeit keine Produktivität

Im beruflichen Kontext ist die Fähigkeit, konzentriert arbeiten zu können, immens wichtig. Schließlich sorgt sie für konstant gute Ergebnisse und steigert die Produktivität. Dabei beschreibt Konzentration die mentale Fähigkeit, seine Aufmerksamkeit ausschließlich auf eine bestimmte Aufgabe, das Erreichen eines Zieles, eine Person oder eine Tätigkeit zu fokussieren. Cal Newport, US-Professor für Informatik, bezeichnet Phasen konzentrierten Arbeitens als Deep Work. Sie sei notwendig, um unsere intellektuelle Kapazität auszuschöpfen.

Die gute Nachricht ist: Aufmerksamkeit ist eine Fähigkeit, die sich ebenso erlernen wie verlernen lässt. Neurologisch betrachtet zeigt sich konzentriertes Arbeiten an einer verstärkten Myelinisierung von Neuronen im Gehirn. Myelin ist eine Schutzschicht, die Neuronen umgibt und dazu beiträgt, die Geschwindigkeit und damit die Leistungsfähigkeit des Gehirns zu beeinflussen. Durch regelmäßiges konzentriertes Arbeiten können wir sie steigern. Der umgekehrte Fall gilt jedoch ebenso: Ein ständiges fragmentiertes Arbeiten reduziert unsere Leistungsfähigkeit.

Tipps für den Alltag

Für den Arbeitsalltag bedeutet dies umso mehr: Gönnen Sie sich und Ihrem Team Ruhe und geben Sie ihm Raum für konzentriertes Arbeiten. Seien Sie als Führungskraft Vorbild: Eine „Open Door Policy“ zeigt Nahbarkeit, ist rund um die Uhr jedoch kontraproduktiv. Für Sie und Ihr Team. Ermutigen Sie vielmehr Ihre Mitarbeiter und Kollegen, sich selbst Zeit für ungestörtes Arbeiten einzuräumen. Dabei geht es auch darum, ein neues Bewusstsein für die Produktivität in Organisationen zu schaffen. Schließlich steigert Disziplin bei der Fokussierung von Aufgaben die Wertschöpfung um ein Vielfaches.

Meine Erfahrung zeigt: Es geht um eine gute Balance zwischen Konzentration und Abwechslung, zwischen alleine und im Team arbeiten. Schließlich entstehen weiterhin oft die besten Ideen im Austausch mit anderen. Um Deep Work im Arbeitsalltag zu integrieren, ist Scrum hilfreich. Eine Methode aus dem agilen Projektmanagement, die sich durch klare Regeln etwa für den Austausch im Team auszeichnet. Es gibt zum Beispiel jeden Morgen ein 15-minütiges Meeting, in dem Themen gezielt diskutiert werden. Im Anschluss konzentriert sich jeder auf seine Arbeit.

Eine andere Regel könnte sein, sich im Team darüber zu verständigen, wie schnell E-Mails zu beantworten sind und welche Art der Nachrichten Priorität haben. Klare Absprachen erleichtern die Zusammenarbeit enorm und vermeiden Missverständnisse innerhalb der Kommunikation. Wie auch immer sie lauten mögen: Entscheidend ist zu verstehen, welches Wertschöpfungspotenzial für uns alle in ungestörter Konzentration und damit in Deep Work liegt.

Wie schwierig oder leicht fällt es Ihnen oder Ihrem Team, sich Inseln der Konzentration zu erlauben? Ich freue mich über Ihre Nachricht.

JULIA DÜTTMANN

Trainerin und Coach
Kooperationspartnerin
bei Raum Für Führung GmbH