Von Julia Düttmann am 25.02.2019

Lebenslanges Lernen: 5 Tipps für den Erhalt Ihrer Lernfähigkeit

Kategorie:
Selbst-Management

Organisationen durchlaufen permanent Veränderungsprozesse – oft in einem rasanten Tempo, weil äußere Umstände sie dazu zwingen; etwa der digitale Wandel, ein globalisiertes Geschäftsumfeld oder sich schnell verändernde Märkte. Für Mitarbeiter und Führungskräfte gleichermaßen bedeutet dies unweigerlich, sich anzupassen und zu lernen. Damit auch Sie bis ins hohe Lebensalter Schritt halten und lernfähig bleiben, gibt es einfache Tipps. Wer sie beherzigt, lernt leichter und kann dadurch mit Veränderungen in seinem beruflichen Umfeld viel besser zurechtkommen. In jedem Alter. Ein Leben lang. 

Noch bis vor wenigen Jahren gingen Forscher davon aus, dass die Lernfähigkeit mit zunehmendem Alter abnimmt. Aktuelle neurowissenschaftliche Studien zeigen jedoch, dass unser Gehirn ständig lernfähig bleibt – vorausgesetzt, wir trainieren es. Denn unser Gehirn ist plastisch. Es wächst mit seinen Aufgaben, weil beim Lernen neue neuronale Verknüpfungen, also Verbindungen zwischen den Nervenzellen, entstehen. Werden diese durch häufiges Wiederholen gestärkt, können Informationen  schneller und einfacher weitergeleitet werden. Hirnforscher Prof. Dr. Manfred Spitzer erklärt: „Das Gehirn ist kein normaler, sondern ein paradoxer Schuhkarton. Je mehr drin ist, desto mehr passt noch rein.“ Oder anders gesagt: Use it or lose it.  

1. Regelmäßig bewegen

Wie leistungsfähig unser Gehirn ist, hängt von dem Zusammenspiel zwischen Arbeitsgedächtnis, Langzeitgedächtnis und dem limbischen System ab. Jene Funktionseinheit im Gehirn, die unsere Emotionen steuert.  Je besser wir die Gehirnzellen dieser Areale mit Energie versorgen, desto leistungsfähiger wird das Gehirn, und dies gelingt besonders gut durch Bewegung. Das belegen inzwischen zahlreiche Studien und Untersuchungen auf der ganzen Welt. Demnach fördert Denken und Lernen in Verbindung mit körperlicher Bewegung die Bildung neuer Gehirnzellen. Beides trägt dazu bei, dass ein Protein namens BDNF ausgeschüttet wird, der bestehende Neuronen sowie Synapsen schützt und das Wachstum neuer Nervenzellen fördert.

Bewegung kurbelt darüber hinaus die Durchblutung und den Sauerstofftransport im Körper an, auch im Gehirn. Verschiedene Areale werden aktiviert, unter anderem jene, die die unsere Aufmerksamkeit steuern. Eine gute Sauerstoffversorgung verbessert zeitgleich unsere geistige Leistungsfähigkeit. Die gute Nachricht ist:  Bereits ein zügiger Spaziergang steigert die Gehirndurchblutung um 14 Prozent. Probanden, die Denksportaufgaben lösen mussten, während sie auf einem Ergometer moderat in die Pedale traten, verbesserten die Kapazität ihres Arbeitsgedächtnisses sogar um rund 20 Prozent.  

2. Ausreichend schlafen

Es klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Aber kaum etwas macht uns so leistungsfähig wie erholsamer Schlaf. Je nach genetischer Veranlagung benötigen Menschen zwischen sechs und zehn Stunden. Vertreter der US-Army testeten in den 1970er Jahren, auf wie viel Schlaf Menschen zur Not verzichten könnten. Nachdem die Soldaten ihre Nachtruhe um mehr als 40 Prozent reduziert hatten, brach ihre Leistung zusammen. Studien Im Schlafzentrum der Universität Regensburg haben ergeben: Wer ein paar Nächte hintereinander nur jeweils vier Stunden geschlafen hat, ist so benebelt, als hätte er 0,5 Promille Alkohol im Blut. Und wer eine komplette Nacht ohne Schlaf verbringt, verhält sich wie jemand mit 0,8 Promille Alkohol im Blut. Unser Gehirn braucht auch deshalb ausreichend Schlaf, weil es sich in dieser Zeit darum kümmert, lebenswichtige Körperfunktionen wie Atmung, Blutdruck und Körpertemperatur zu regulieren. Außerdem transportiert es all jene Informationen, die wir tagsüber aufgenommen haben, vom Arbeits- ins Langzeitgedächtnis, um sie dort einzuspeichern und zu festigen. 

3. Sich ausgewogen ernähren

Damit unser Gehirn auf Hochtouren arbeiten kann, braucht es Glukose (Zucker) und eine Reihe von Botenstoffen. In Kombination tragen sie dazu bei, dass wir zu Höchstleistungen fähig sind. Jeder kennt den Effekt: Können wir uns nur schwer konzentrieren, so bringen ein Stück Schokolade oder etwas Traubenzucker das Gehirn wieder auf Trab. Allerdings kann unser Gehirn keine Energievorräte anlegen. Die leistungsfördernde Wirkung des Zuckers verpufft nach nur 15 bis 20 Minuten. Nahrungsmittel hingegen, die Mehrfachzucker enthalten, werden langsamer verdaut. Die Folge: Dem Gehirn wird Glukose portionsweise bereitgestellt. Der Mensch ist länger leistungsfähiger.

Auch Eiweiß trägt in hohem Maße zur lebenslangen Lernfähigkeit bei. Es besteht aus sogenannten Aminosäuren, die die Bildung von Botenstoffen ankurbeln. Einer der wichtigsten davon ist Acetylcholin. Ohne ihn könnten wir uns weder erinnern noch lernen. Er schärft das Gedächtnis und steigert unsere Konzentrationsfähigkeit. Wer seinem Gehirn einen Energieschub geben möchte, sollte daher zu Sojaprodukten, Nüssen und Getreide greifen.

Ein weiterer relevanter Botenstoff ist Tyrosin, denn er fördert die Produktion von Dopamin, Noradrenalin und Adrenalin. Diese Botenstoffe halten uns wach, aktiv und motiviert. Lieferanten sind unter anderem Hülsenfrüchte, fettarme Milchprodukte und Fisch. Schließlich benötigt unser Gehirn noch Serotonin und Melatonin. Sie bestehen aus der Aminosäure Tryptophan, die etwa in Haferflocken, Walnüsse oder magerem Käse enthalten ist. Eine ausgewogene Ernährung begünstigt die Lernfähigkeit daher nachhaltig. 

4. Dauerstress vermeiden

Wohl jeder von uns kennt die Phasen im Leben, in denen man sprichwörtlich unter Strom steht, einem gar alles über den Kopf zu wachsen scheint. So lange dieser Zustand eine Phase ist, kann unser Gehirn die Belastung kompensieren. Wird sie allerdings zur Gewohnheit, schaltet es auf Abwehr und überflutet den Körper mit Stresshormonen. Nicht nur das Herz-Kreislauf-System und das vegetative Nervensystem werden in Mitleidenschaft gezogen, sondern auch das Gehirn. Besonders betroffen ist der sogenannte Hippocampus. Ein Hirnareal, das bei der Verarbeitung und Speicherung von Informationen eine bedeutende Rolle einnimmt. Nervenzellen schrumpfen, synaptische Verbindungsstellen werden schwächer. Darunter leidet dann das gesamte neuronale Netzwerk. Der Abruf von Informationen wird immer schwieriger, langsamer und der Körper reduziert die Bildung von Gehirnzellen, stellt diese sogar ein. Im Extremfall kann es zur Zerstörung ganzer Zellverbände kommen. Die Folgen sind Schwierigkeiten bei der Konzentration und Merkfähigkeit. Wer sich hingegen regelmäßige Phasen der Regeneration gönnt, wirkt aktiv diesem Abwehrverhalten entgegen und tut seinem Gehirn Gutes. 

5. Soziale Kontakte pflegen

Für unsere geistige Leistungsfähigkeit spielen auch soziale Kontakte eine wichtige Rolle. Wer sich mit Menschen umgibt, die er mag, aktiviert das Belohnungssystem in seinem Gehirn. Körpereigene Drogenstoffe, sogenannte Endorphine, werden ausgeschüttet. Diese „Glückshormone“ tragen dazu bei, dass wir uns körperlich gut fühlen und Informationen besser und schneller verarbeiten können. Gleiches gilt übrigens für Menschen, die im Team arbeiten. Versteht sich das Team untereinander, arbeitet es gern zusammen und feiert größere Erfolge. Das erlernte und erarbeitete Wissen wird automatisch mit einem guten Gefühl verknüpft und als Gesamteindruck in unserem Gehirn gespeichert. Wir können Informationen nicht nur besser und schneller verarbeiten, sondern nachhaltiger abspeichern und uns so besser daran erinnern. 

Wie leicht oder schwierig fällt Ihnen das Lernen? Haben auch Sie noch Tipps, wie Sie Ihr Gehirn fit halten? Ich freue mich auf den Austausch mit Ihnen.

JULIA DÜTTMANN

Trainerin und Coach
Kooperationspartnerin Raum Für Führung

 

Quelle Bild: Never Stop Learning: von geralt auf Pixabay