Von Klaus Leeder am 13.12.2019

Weihnachtswahnsinn: Wie Sie die Festtage überstehen

Kategorie:
In eigener Sache

Plätzchen backen, Strohsterne basteln, Geschenke finden, Weihnachtsfeier ertragen, Musikaufführung besuchen, Pakete packen, Oma einladen, Menü zusammenstellen…, aber vor allem eines: Ruhe bewahren. Ich hab’s mir fest vorgenommen – und sehe mich doch schon wieder unseren riesigen Weihnachtsbaum in die zweite Etage schleppen. Ein Bäumchen wäre doch auch schön. Und sowieso: Die ganze Schlepperei! Jünger werde ich auch nicht. Aber gut: einmal noch –  meinem Sohn zuliebe. Dieses Jahr wirklich zum letzten Mal. Noch 11 Tage bis Weihnachten. Das kann was werden… 

An Weihnachten kumuliert das gesamte Jahr, bis es nur eine Woche später an Silvester wortwörtlich explodiert und in Abermillionen leuchtenden Farben zerschellt. Alles auf Anfang. Dies gilt insbesondere für Paare. Jedoch anders, als Sie vielleicht denken, denn Therapeuten und Familienanwälte berichten: Zu keiner anderen Zeit des Jahres schnellt die Scheidungsrate so in die Höhe wie nach Weihnachten. Das Fest der Liebe crashen? Den Orden möchte sich keiner ans Revers heften. Lieber nochmals die Zähne zusammenbeißen und gute Miene machen – selbst dann, wenn die Patchwork-Familie längst zum Alltag gehört und zwei Weihnachtsfeiertage nicht einmal reichen, um dem Komplettierungswahn gerecht zu werden. Nicht nur dieses Jahr frage ich mich: Wieso das alles? Warum setzen wir uns so unter Druck, statt einfach nur zu entspannen?

Oder doch goldene Kugeln?

Ein trügerischer Aberglaube

Soweit ich zurückdenken kann, streiten sich meine Eltern um die Farbe der Weihnachtskugeln. Als ob es eine elementar wichtige Rolle für unsere gemeinsame Zeit spielte, ob die Kugeln nun rot, blau oder goldfarben sind. Aber irgendetwas in uns lässt uns nicht los. Erwartungen und Traditionen treffen mit einer aberwitzigen Explosionskraft aufeinander. Selbst in den vermeintlich „besten Familien“. Vielleicht geht es um Sehnsucht. Sehnsucht nach herzerwärmenden Erinnerungen der Kindheit. Nach Geborgenheit. Nach Beständigkeit. Allerdings geben Rituale längst nicht nur Sicherheit. Sie können auch unendlich nerven. Und Beständigkeit kann genauso anstrengend sein wie Veränderungen. Der Gedanke: „Das war damals so schön, deshalb machen wir das wieder“ ist ein trügerischer Aberglaube. Nichts im Leben wird genauso wie es mal war.

Wer nimmt Oma?

Genau dieser Aberglaube ist es, der uns an den Festtagen aus der Haut fahren lässt. „Wie, gibt es heute nur zwei Gänge?“, fragt Onkel Hannes unverblümt an gedeckter Tafel. Und schon schießt es aus Mutter heraus: „Weißt du eigentlich, wie lange ich in der Küche gestanden habe? Koch du doch nächstes Mal. Mir reicht’s.“ Weihnachtsgans, Raclette, Fondue: Das ist alles lecker, aber auch mit Aufwand verbunden. Bei uns in Hessen gibt es die schöne Tradition von Bockwurst mit Kartoffelsalat. Was für eine herrliche Vorstellung, so einfach und entspannt das Essen an Heiligabend zu genießen! Ein Gedanke, den vielleicht sogar Oma umtreibt. Wissen Sie’s?

Die wenigstens von uns stellen ihr oder Opa wohl diese Frage und gehen wie selbstverständlich davon aus, dass beide an Heiligabend bei einem Teil der Familie zu Gast sein müssen. Vielleicht ertragen Kinder auch den Gedanken nicht, dass Oma und Opa allein zu Hause sind. Nur: Vielleicht wären sie dies viel lieber. Vielleicht sind ihnen die Anreise, das viele Sitzen und das Getobe der Enkel zu viel und das Fest endet regelmäßig in einem Wadenkrampf. Vielleicht würden sie sich viel lieber im Fernsehen über Weihnachtsgeschichten mit Gustl Bayerhammer amüsieren und danach noch im Radio Weihnachtsmusik anhören und das essen, was ihnen schmeckt. Könnte doch sein! 

Darum lauten meine drei Erkenntnisse aus dem Weihnachtswahnsinn: 

  1. Habe Mut zu Neuem. Ein einfaches zuzubereitendes Essen an den Festtagen, ein kleinerer Weihnachtsbaum,Heiligabend in Jogginghose. Einfach das tun, was uns das Herz leichter macht.
  2. Weniger ist mehr. Weniger selbst gebackene Plätzchen. (Es reicht auch eine Sorte oder die gekaufte Variante.) Weniger Geschenke. (Warum nicht auf Geschenke verzichten oder nur ein wirklich schönes Geschenk machen, statt krampfhaft nach weiteren zu suchen?) Weniger Alkohol. (Alkohol löst bekanntlich die Zunge. Mit etwas weniger intus sind die Seitenhiebe der lieben Verwandten gleich deutlich gelassener zu ertragen.)
  3. Miteinander reden. Mal ehrlich: Wie oft haben Sie sich dabei ertappt, dass ein Streit oder eine Diskussion vermeidbar gewesen wäre, wenn man vorher nur offen über alles gesprochen hätte. (An Heiligabend in die Kirche: ja oder nein? Sind Weihnachtsgeschenke verpackt in Zeitungspapier okay oder nicht?) Wer Bedürfnisse wertschätzend kommuniziert, erntet in der Regel Verständnis. Gemeinsam finden wir schneller eine Lösung und legen damit die beste Basis für ein entspanntes Fest.

Mut zu Neuem, weniger ist mehr, miteinander reden: Klingt doch ganz einfach! Jetzt muss es nur noch mit der Umsetzung klappen. Da war doch was mit meinem Weihnachtsbaum! Es ist noch nicht zu spät. Noch 11 Tage bis Weihnachten…

In diesem Sinne: gutes Gelingen und ein frohes Fest!

Ihr

KLAUS LEEDER

Geschäftsführer und Berater